Leserbrief von Christian Lindner, FDP-Bundesvorsitzender

Viel zu tolerant gegenüber der Intoleranz, 30. August

In Ihrer Kolumne kritisiert Frau Krause-Burger mehrere Journalistinnen. Warum wird nur bei meiner Frau auf ihre Ehe mit dem FDP-Vorsitzenden hingewiesen? Welchen Nutzen hat der Leser von dieser Information? Warum wird bei der Journalistin des Magazins Spiegel nicht eingefügt, dass sie mit einem sozialdemokratischen Politiker verheiratet ist?

Frau Krause-Burger unterliegt offenbar demselben alten Frauenbild, für das sie andere kritisiert: Sie scheint zu unterstellen, dass meine Frau meine Meinung vertritt oder ich die Meinung meiner Frau. Ich habe es im Jahr 2016 für nicht mehr möglich gehalten, dass eine Frau mit beruflichem Erfolg auf die Rolle als Ehefrau reduziert wird. Wie altbacken!

Ich halte jedenfalls erstens ein Verbot der Vollverschleierung für richtig. Zweitens habe ich mehrfach öffentlich gefordert, dass unsere Gesellschaft progressive Muslime bei der Modernisierung des Islam unterstützen müssen. Wir dürfen diese Modernisierung aber auch einfordern. Drittens habe ich dargelegt, dass der Islam sich auch einer liberalen und emanzipatorischen Kritik stellen muss, so wie es zum Beispiel die katholische Kirche musste und muss. Diese Auseinandersetzung, so habe ich mehrfach öffentlich vertreten, darf man nicht Rechtspopulisten überlassen.

Also vertrete ich das Gegenteil dessen, was Frau Krause-Burger als Position „des Liberalismus“ darstellt. Wenn sie mich schon erwähnt, dann wäre es nur seriös gewesen, die Leserinnen und Leser über meine Haltung zu informieren.

Erschienen in der Stuttgarter Zeitung am 05.09.2016

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