Von Matthias Nothstein

Neue Lösung soll zwischen Kirchberg und Schweißbrücke Kosten sparen – Alte Böschungsverläufe machen teure Brücken unnötig

KIRCHBERG AN DER MURR. Ein Radweg von Kirchberg zumindest bis zum Schweißbrückenkreisel – wäre das nicht toll? Seit Jahren setzen sich viele Menschen aus Politik und Verbänden dafür ein, seit Jahren passiert nichts. Von Planungen und Ablehnungen einmal abgesehen. Jetzt allerdings steht sogar im Raum, die Murr an einer Stelle geringfügig zu verlegen, um den Radweg zu ermöglichen.

Eine, die sich des Themas schon sehr oft angenommen hat, ist die Kirchberger Regional-, Kreis- und Gemeinderätin Gudrun Wilhelm. Nun hat sie an Landrat Richard Sigel geschrieben. Auslöser war die Zertifizierung des Stromberg-Murrtal-Radwegs im Juni. Wilhelm erklärt und fragt: „Den Radweg von Kirchberg zur Schweißbrücke, der Bestandteil des Konzeptes ist, gibt es noch nicht. Wie ist die derzeitige Sachlage? Ist die Planfeststellung vorangekommen?“ Wilhelm erläutert des Weiteren, dass in der geplanten Route, die nahe an der Kreisstraße entlangführt, zwei Brückenbauwerke vorgesehen sind. Diese verteuern das Projekt enorm, so sind laut Kreisstraßenmaßnahmeplan 2014 bis 2018 für zwei Kilometer Wegebau rund eine Million Euro eingeplant. Nun verweist die Kirchberger Gemeinderätin darauf, dass Kirchberg im Frühjahr in unmittelbarer Nähe einen Steg über die Murr erneuert hat. Die Brücke – ein Fertigteil in Stegbauweise – kostete nur 35000 Euro, Ingenieurleistungen und Baumaßnahmen zusammengefasst, lagen die Kosten bei insgesamt 70000 Euro. Wilhelm: „Das macht mich mutig zu behaupten, dass der Radweg jetzt kostengünstiger wie veranschlagt gebaut werden könnte.“ Die FDP-Politikerin erwähnt die „unzähligen Schriftverkehre“ in dieser Sache und fragt: „Können wir die Realisierung, auf die Kirchberg schon über 20 Jahre wartet, jetzt angehen?“

Landrat Sigel erteilt der Idee von kostengünstigen Brücken eine Absage. Er schreibt: „Das von Ihnen geschilderte kostengünstige Fertigteil-Bauverfahren lässt sich bei Bauwerken entlang der Murr leider nicht anwenden. Natürlich ist uns ebenfalls daran gelegen, die Bauwerke so wirtschaftlich wie möglich herzustellen.“ Trotzdem dürfte sich Wilhelm über die Antwort freuen, denn sie eröffnet eine völlig neue Lösung. Sigel verkündet: „Angedacht ist zwischenzeitlich eine geringfügige Verlegung der Murr, bei der die ursprünglichen Böschungsverläufe des Gewässers wieder hergestellt werden. Auf diese Weise könnte gänzlich auf Bauwerke verzichtet werden, was zu einer erheblichen Reduzierung der Baukosten führen würde.“ Der Vorschlag wurde Sigel zufolge bereits an das Regierungspräsidium Stuttgart herangetragen. Wer nun an eine schnelle Lösung glaubt, den bremst Sigel ein: „Da die Änderung eines Gewässerlaufs mit erheblichen umweltrechtlich relevanten Eingriffen verbunden ist, sind noch einige Abstimmungen mit den beteiligten Fachämtern im Landratsamt und im Regierungspräsidium Stuttgart notwendig, bevor grünes Licht für diese Ausführung gegeben werden kann.“ Grundsätzlich erklärt Sigel: „Die Vorbereitung des Planfeststellungsverfahrens für die Radwegverbindung wird vom Straßenbauamt stetig vorangetrieben.“ Er verspricht der engagierten Kommunalpolitikerin, sie über alle weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten.

Foto: E. Layher, Quelle: BKZ (Stadt & Kreis) vom 30.07.2016